Interview mit Giorgio Barbier
WorldSBK.com bat Giorgio Barbier, den Rennsport-Chef von Pirelli Moto, zum Gespräch, um über den Einsatz des italienischen Reifenherstellers in der eni FIM Superbike Weltmeisterschaft zu sprechen. Er gab uns seinen ganz persönlichen Rückblick auf die Saison 2013 und blickte mit uns in die neue Rennsaison.
Wie lief 2013 aus der Sicht von Pirelli?
"Ich würde sagen es war eine außergewöhnlich gute Saison, unsere zehnte als Einheitsreifenlieferant der eni FIM Superbike Weltmeisterschafts-Klassen. Jahr für Jahr haben wir es hinbekommen, diese Serie noch spannender zu machen, und dabei trotzdem ein hohes Level an Konkurrenzfähigkeit zu erreichen - in Absprache mit den Organisatoren, Teams und Herstellern.
Wir sind der längste Einheitsreifenlieferant im internationalen Motorsport und auch der erfolgreichste. Das zeigt wie wichtig unsere Einstellung und Entwicklung genau so wichtig wie das Feedback und die Kommunikation aller involvierten Parteien ist, um derlei Resultate zu erreichen. Unsere Rolle in dieser Meisterschaft war nie allein Lieferant, der den Teams und Fahrern seine Wahl diktiert und ich denke, dass unsere Art zu arbeiten uns am Ende belohnt hat.
Dieses Jahr war eine neue Herausforderung, da der 17" Diablo Superbike eingeführt wurde. Dank unseres Know-Hows und der Erfahrung, die wir in den letzten Jahren gesammelt haben, gab es nicht nur im Winter kein einziges Problem, sondern die Fahrer haben das neue Produkt herzlich empfangen und in Sachen Leistung und Rundenzeiten enorme Fortschritte gezeigt."
Was gibt es für nächstes Jahr Neues?
Mit der Einführung der SBK EVO haben wir nicht den Glauben an unsere Art der Reifenherstellung verloren, aber dennoch eng mit der Dorna zusammengearbeitet, um unseren Beitrag zu einem weiterhin hohen Wettbewerbslevel in der Meisterschaft zu leisten. Wir wollen versuchen sicher zu stellen, dass die EVO-Fahrer auf einem Level mit den Superbike-Piloten kämpfen können. Darum könnten die zur Verfügung stehenden Reifen für EVO- und WSBK-Piloten teilweise unterschiedlich sein. Rennsport muss eng, spannend und unterhaltsam sein und wir haben schon immer in diese Richtung gearbeitet.
Wie viel Arbeit braucht es denn, um neue Reifen mit besserer Leistung zu entwickeln, die auf jeder Maschine funktionieren?
"Um von den 16,5" Reifen zu den mit 17" zu wechseln, mussten die Pirelli-Ingenieure von Null beginnen und komplett neue Reifen designen und entwickeln - hinsichtlich der Mischungen, Karkassen und Auflageflächen. Darum haben diese Reifen, verglichen mit den 16,5"-Vorgängern, eine größere Auflagefläche und eine bessere Stabilität, gerade am Kurveneingang; außerdem halten sie während des Rennens länger. Die neuen Mischungen sind weicher, etwas beweglicher und leistungsstärker: Mit nur zwei Mischungen für vorn und hinten konnten wir den gesamten Kalender der Meisterschaft abdecken - nicht wie früher mit drei. Pirelli konnte das Nutzungsfenster jeder Mischung ausweiten."
Es liegt noch viel Arbeit vor uns, gerade in unserem Bereich. Fehler sind nicht akzeptiert. Wir müssen sicher stellen, dass das neue Produkt noch besser wird, denn die Fahrer und Kunden erwarten eine verbesserte Leistung. Das Geheimnis ist es, das Produkt so hinzubekommen, dass es auf jedem einzelnen Motorrad funktioniert. Das ist der schwierigste Teil unseres Jobs, aber bisher konnten wir das umsetzen. Verschiedene Hersteller haben sich dazu entschieden, Pirelli als Erstausrüstung zu nutzen."
Wie wichtig ist für Pirelli die Arbeit in der Superbike WM? Und wie wird das in die Produktreihen für den Reifenmarkt aufgenommen?
"Die Superbike Weltmeisterschaft ist das Haupt-Entwicklungslabor für Pirelli, um zunehmend besser funktionierende Reifen zu entwickeln, die keine Prototypen sind und die von professionellen Fahrern getestet wurden, um dann für jeden Motorradfahrer zur Verfügung zu stehen. Unsere Produktlinie erhält jedes Jahr aufgrund unserer Erfahrungen in der Rennsaison ein Update. Die Welt hört niemals auf sich zu drehen und wir müssen Schritt halten. Wir denken, dass es kein präzises Fein-Tuning geben darf, um das beste aus den Reifen herauszuholen und das funktioniert für unsere Endverbraucher, die kein spezielles Setup brauchen, um unsere neuesten Rennsport-Produkte zu verwenden. Die WSBK ist für Pirelli extrem wichtig, um die besten Reifen überhaupt für Professionelle und Amateure zur Verfügung zu stellen, aber auch um alle anderen Produkte unserer Linie zu verbessern. Die meisten Lösungen, die wir in der Superbike WM entwickeln, können auch für Straßenreifen genutzt werden."